Eltern-Schüler-Seminar für Flüchtlinge

Ziele:

Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund haben es allgemein  schwerer, geeignete Ausbildungsstellen zu finden. Zudem ist ihr Berufswahlspektrum in der Regel enger als bei Schülerinnen und Schülern ohne Migrationshintergrund. Auch werden Eltern mit Migrationshintergrund oft noch schwieriger bzw. gar nicht durch die schulische Elternarbeit erreicht.

 

Diese einschränkenden Kriterien und Tendenzen sind noch deutlich ausgeprägter bei jungen Flüchtlingen zu beobachten. Von einem realistischen Berufswahlspektrum ist selbst in den Fällen nicht auszugehen, wo sich schon konkret mit der Berufswahl bzw. einer beruflichen Ausbildung beschäftigt wird. Zu unterschiedlich sind in der Regel die kulturellen, wirtschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Rahmenbedingungen in den Herkunftsländern im Vergleich zur Situation in Deutschland.  

 

Studien belegen, dass Eltern für Jugendliche die wichtigste Orientierungshilfe bei der Berufswahlentscheidung darstellen. Eltern haben viel zu bieten: Sie können die Stärken und Schwächen ihrer Kinder oft zuverlässig einschätzen und sie vermitteln ihren Kindern Werte und Einstellungen zu Arbeit und Beruf. Ihre Erfahrungen sowie Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten in diesem Bereich beeinflussen das Verhalten der Jugendlichen in Bezug auf die Berufswahl und die Berufswelt.

 

Mit dem Modul „Schüler/-Elternseminar für Flüchtlinge“ soll das Ziel erreicht werden, Eltern betroffener junger Flüchtlinge sowie von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern frühzeitig und dauerhaft in den Berufsorientierungs- und Berufswahlprozess ihrer Kinder einzubinden und sie zu motivieren, diesen Prozess gemäß den Fähigkeiten, Bedürfnissen, Interessen und Potenzialen ihrer Kinder zu begleiten und zu unterstützen.

Diese Maßnahme zielt daher auch auf eine Kompetenzerweiterung ab, den Berufswahlprozess der Kinder von einschränkenden kulturellen oder geschlechtsspezifischen Zuschreibungen zu befreien, ihn gleichzeitig um bisher eher unbekannte Alternativen zu ergänzen  und damit neue Perspektiven zu eröffnen. Der Übergang von der Schule in den Beruf  wird zu einem gemeinsamen Projekt von Eltern und Kindern. Die Zielgruppe bilden vorrangig Flüchtlinge sowie Asylbewerberinnen und Asylbewerber vor der Berufswahl. In begründeten Fällen können auch junge Menschen mit  anderem Migrationshintergrund einbezogen werden. Unbegleitete minderjährige Schülerinnen und Schüler können teilnehmen.

 

Inhalte:

Eltern berichten über ihre berufliche Erfahrung, das berufliche Bildungssystem im Herkunftsland und, soweit vorhanden, ihre Kenntnisse über das hiesige Schul- und Ausbildungssystem. Ggf. reflektieren sie hierbei mit ihren Kindern ihre eigene Berufswahlentscheidung und klären mit den Jugendlichen, welche Unterstützung von ihrer Seite gewünscht wird bzw. welche möglich ist.  Eltern unterstützen ihre Kinder bei einer realistischen Selbsteinschätzung und ermitteln gemeinsam mit ihnen die Stärken und Interessen des Kindes.

 

Mit entsprechend intensiver Unterstützung des Betreuungspersonals in der Maßnahme eignen sich Eltern und ihre Kinder ein gemeinsames Basiswissen über Wege nach der Schule in eine weitere Schule, in die Ausbildung oder ggf. ins Studium an.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen hier die duale Berufsausbildung, die schulische Ausbildung sowie weitere berufliche Wege kennen. Dabei wird aufgezeigt, mit welchen schulischen Abschlüssen welche realistischen beruflichen Möglichkeiten bestehen.

 

Eltern und Jugendliche lernen in diesem Zusammenhang die Beratungs- und Hilfsangebote der Bundesagentur für Arbeit kennen. Sie erarbeiten wichtige Schritte bei der Berufsorientierung und Berufswahl und entwickeln daraus möglichst schon einen Berufswahlfahrplan. Sie dokumentieren ihre Erkenntnisse und Ziele und entwickeln gemeinsam Handlungsstrategien.

 

Wesentlicher Schwerpunkt des Moduls sind die Veranstaltungen in Unternehmen. Hier erhalten Eltern und Jugendliche  nicht nur kognitive Informationen über z. B.  Kriterien bei der Auswahl von Auszubildenden und bei Bedarf ein kurzes handlungsorientiertes Bewerbungstraining, sondern in erster Linie einen Eindruck vom „Innenleben“ zweier am Markt agierender Betriebe. Verschiedene Funktionen, Prozesse, Ausbildungsmöglichkeiten, insbesondere die Bedeutung, die Wertschätzung und das Niveau der dualen Ausbildung werden durch konkrete Anschauung erfahrbar.

Eltern und Schüler können nach Durchführung des Moduls die Komplexität des Berufswahlprozess besser einschätzen, klarer strukturieren und gemeinsam erfolgreich gestalten.

 

Insbesondere werden kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten und deren Bedeutung im Arbeitsleben thematisiert, z. B. der Umgang mit Kundschaft, Patientinnen oder Patienten aus anderen Kulturkreisen und mit anderer Herkunftssprache. Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund sollen darin bestärkt werden, ihre vielfältigen kulturellen Erfahrungen besser benennen zu können und positiv einzubringen.

Ablauf:

Das Modul umfasst vier Treffen mit insgesamt zwölf Zeitstunden.

  • Treffen 1 ist eine dreistündige Auftaktveranstaltung und thematisiert die Bedeutung der Unterstützung durch Eltern im Berufs- und ggf. Studienwahlprozess. Sie vermittelt Basiswissen über Schule, Ausbildung und ggf. Studium. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereiten gemeinsam die nachfolgenden Treffen vor.
  • Treffen 2 und 3 bestehen aus zwei jeweils dreistündigen Besuchen in unterschiedlichen Betrieben aus verschiedenen Berufsfeldern bzw. Branchen. Inhaltliche Schwerpunkte sind die verschiedenen Formen der Ausbildung unter Beachtung der besonderen Bedeutung der dualen Ausbildung, Anforderungen an Ausbildung sowie betriebliche Auswahl- und Bewerbungsverfahren.
  • Treffen 4 ist eine dreistündige Abschlussbesprechung im örtlichen Berufsinformationszentrum (BIZ) unter Einbeziehung der zuständigen Berufsberatungsfachkraft und beinhaltet Auswertung sowie Reflektion der vorausgegangenen Treffen. Eltern sowie Schülerinnen und Schüler ziehen ein gemeinsames Resümee. Die Eltern planen künftige Schritte in ihrer Rolle als Begleiterin oder Begleiter ihrer Kinder beim Übergang von Schule in Ausbildung oder Studium.

Es ist anzustreben, dass die Schule in Eigenverantwortung im Anschluss an die Maßnahme einen vertiefenden Besuch im örtlichen Berufsinformationszentrum (BIZ) durchführt.

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